Es gibt Momente im Leben, da spürst du es ganz tief – tief in dir drin. Eine leise Sehnsucht, die nicht mehr verstummt. Sie kommt nicht laut, nicht plötzlich. Sie ist eher wie ein Ton, der lange im Hintergrund schwingt, bis du irgendwann nicht mehr anders kannst, als zuzuhören.
Bei uns war es genau so. Kein dramatischer Aufbruch, keine große Erleuchtung. Nur ein leises, stetiges Ja, das sich Bahn brach – durch Alltagsroutine, durch volle Kalender, durch ein Leben, das funktionierte, aber nicht mehr nährte.
Der Moment, in dem etwas kippt
Du sitzt morgens am Frühstückstisch, schaust deinen Kindern beim Essen zu, und plötzlich denkst du: So darf es nicht weitergehen. Nicht aus Verzweiflung. Sondern aus einer ruhigen, klaren Einsicht heraus.
Wir haben angefangen, Listen zu machen. Was uns wichtig ist. Was wir loslassen können. Welche Stimmen in uns wir endlich wieder hören wollen. Und je länger diese Listen wurden, desto klarer wurde das Bild: ein Ort in der Natur, mit Erde unter den Füßen, mit Pflanzen, die uns durchs Jahr begleiten. Mit Nachbarn, die nicht nur Türschilder sind.
Manchmal muss man weit weg gehen, um wieder bei sich anzukommen.
Warum Portugal
Es war nicht der Plan. Wir hatten andere Länder im Kopf, näher dran, vermeintlich praktischer. Aber dann kam dieser eine Besuch im Süden Portugals – und etwas in uns hat aufgeatmet. Das Licht. Die Weite. Diese Mischung aus Wildheit und Sanftheit, die das Land hat. Die Stille, die nicht leer ist, sondern voll.
Wir haben monatelang gesucht. Geschaut, was passt – nicht nur räumlich, sondern auch innerlich. Ein Ort sollte es sein, der trägt. Nicht perfekt, nicht fertig – sondern offen für das, was wachsen will. Mit alten Mauern, einem Stück Land, ein paar Olivenbäumen und genug Raum, dass auch andere kommen können.
Der Anfang ist immer klein
Was wir hier vorfinden, ist kein Idyll. Es ist Arbeit, viel Arbeit. Es ist Lernen – über Boden, über Wasser, über Pflanzen, die wir nicht kennen. Es ist Demut. Und es ist eine ganz neue Art von Reichtum: Zeit, die nicht zerstückelt ist. Gespräche, die nicht zwischen zwei Terminen gequetscht werden müssen. Mahlzeiten, die wir wirklich teilen.
Und es ist ein Anfang. Wurzelraum ist kein Endpunkt. Er ist ein Werden. Mit jedem Beet, das wir anlegen, mit jedem Menschen, der vorbeikommt, mit jeder Idee, die hier Platz findet, wird etwas tiefer.
Was uns trägt
Wenn ich heute morgens hinausgehe, barfuß, mit der Tasse Tee in der Hand, und einfach nur stehe – dann weiß ich, warum wir das alles gemacht haben. Nicht weil das alte Leben falsch war. Sondern weil dieses hier wahrer ist.
Und vielleicht ist das ja der Sinn dieses Blogs: zu erzählen, wie es ist. Ehrlich. Ohne Filter. Mit allen Zweifeln und allem Glück. Damit andere, die diese leise Sehnsucht in sich tragen, wissen: Du bist nicht allein.
Schön, dass du da bist. Vielleicht wächst etwas daraus – gemeinsam.